Sonntag, 24. Januar 2016

Indienreise 2015/16 - Drachen und Legenden

15. bis 17. Januar (English Version)
Jaisalmer

Ob es nun daran liegt, dass ich eine wirklich gute Zeit hatte, oder daran, dass Jaisalmer wirklich einfach ein Traum ist... ich begann die Stadt zu lieben.

Ich hatte ein Zimmer im Mystic Jaisalmer. Nicht gerade billig aber es gab warmes Wasser, bequeme Betten und ein wunderschönes Restaurant mit bequemen Balkon-Nischen auf denen man einen überkitschigen Sonnenuntergang betrachten konnte.
Und für die, die es gerne günstig haben, das Hotel bietet auch einen Massenschlag.

Wir hatten das Glück, während des Kite-Festivals in Jaisalmer zu sein. Mehrere Städte führen dies durch und Jaisalmer ist sicherlich nicht der spektakulärste Ort, aber wir besorgten uns nichts desto trotz ein Duzend Drachen, Schnur und Leine und stürzten uns auf dem Dach des Hotels ins vergnügen. Ich meine, wie schwierig kann es schon sein, so einen Drachen in die Luft zu kriegen? Die Antwort ist vernichtend: SEHR! Zumindest für uns unerfahrene Westler. Aber wir hatten einen heiden Spass.

Doch der Run war vorbei, die illustre Gesellschaft löste sich langsam auf. Yves hatte es bereits am Morgen des 15. Januars nach Süden gezogen, Mimi wollte zurück nach Jodhpur, Tim und Ben von den Gentlemen ebenfalls. Ich selber zog die Ruhe von Jaisalmer vor. Ausserdem lachte mich die Option einer Wüsten-Safari an. Und ganz alleine blieb ich nicht zurück. Adam hatte sich im Mystic einquartiert und lagerte seine geschundenen Beine hoch, um bald wieder Reisetauglich zu sein. Er hat noch ein paar Monate weltenbummeln vor sich. Aber mir sollte das recht sein, so hatte ich zumindest noch etwas angenehme Gesellschaft.

Nach den zwei Wochen in einem Tuktuk, ständig umgeben von Lärm und Verkehr, war die Wüstensafari und die gemütlichen Stunde auf der Terasse im Mystic eine wahre wohltat. Ich hatte das Pech, dass zwar verschiedenste Gruppen auf meiner Safari mit dabei waren, diese jedoch alle aus Spanisch sprechenden Regionen kamen, und nur wenige von ihnen wirklich Englisch konnten. Es wurde eine einsame, aber atemberaubende kleine Reise.

Zur Safari gehörte auch ein Zwischenstop in der Geisterstadt Kuldhara mit ihrer hübschen Legende.

Kuldhara, eine kleine aber wohlhabende Stadt, mit 84 umliegenden Dörfern, war eine Gemeinschaft von Brahmins, eine der Kasten Indiens. Die Leute hatten einen starken Sinn für Gemeinschaft und zusammenhalt.

Doch dann wurde der Deewan ein Premierminister des Maharajas auf die Tochter des Anführers. Doch der Deewan gehörte einer anderen Kaste an und so wurde ihm die Heirat verweigert. Dieser jedoch liess sich so schnell nicht abschrecken und drohte die Tochter mit gewalt zu holen.
Die Leute Kuldharas waren wohlhabend und stolz, aber bei weitem nicht gut genug ausgerüstet um sich Jaisalmer zu wiedersetzen. Und so sandte der Vater einen Brief und bat um etwas Zeit um seine Tochter auf die Hochzeit vorzubereiten. Doch damit kauften sich die Brahmins nur etwas Zeit. Im Schutze der Nacht verliess die ganze Gemeinde ihre Heimat. Niemand sah wie sie die Stadt verliessen oder wohin sie gingen.

Doch bevor sie die Stadt verliessen, belegten sie das Land mit einem Fluch und machten das Land für jedermann unbewohnbar. Die Stadt zerfiel doch die Angst vor dem Fluch hielt die umliegenden Ortschaften davon ab, die Steine für neue Gebäude abzutragen. Und so ist von der zerfallenden Stadt noch erstaunlich viel erhalten.

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