Samstag, 16. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 8 und 9 - Whisky und Regen

Für diese Geschichte muss ich etwas ausholen:
An einem Mittelaltermarkt im Frühling 2011 in Wil, stand ich an einem Marktstand, an dem ein Kerl sich mit einem Händler über Edinburgh unterhielt. Er schwärmte von einem Lokal. Seine Wegbeschreibung lautete: "Kurz vor dem Platz an dem das Tatoo stattfindet gehst du links weg. Da hat es ein Haus in dem so eine Art 'Geisterbahn' ist. Das ist so eine Multimediale Whisky Führung. Da gehst du rein und die Treppe runter."

Anhand dieser vagen Beschreibung schlenderten wir also die Royal Mile entlang, hoch zum Castle. Bevor wir irgendwo ankamen, musste ich natürlich erst in der Tartan Weberei einen Zwischenstop einlegen. So viel Tartan, so viel schöner Stoff, so viel wunderbare Karo-Muster. Und man kann in der Weberei direkt zuschauen. All die riesigen, mechanischen Webstühle in aktion. Einen scheiss Lärm produzieren die... und wundervolle Stoffe.


Danach gingen wir weiter, und Plötzlich war da links von uns die "Scotch Whisky Experience". Genau da wo der Typ beschrieben hatte. Es war eine unterhaltsame Tour.
Zuerst eine Fahrt in einem 'Geisterbahn-Wagen' während der das Brauen von Whisky erklärt wurde.
Dann wurden wir in einem kleinen Raum über die verschiedenen Arten des Whiskys aufgeklärt. Welche Regionen stellen welchen Wisky her. Welche Noten haben die verschiedenen Whiskys... Und dann durften wir uns einen aussuchen, um zu degustieren.

Die Degustation selbst fand in der weltgrössten Whiskysammlung. Ein junger und fröhlicher Herr führte uns durch die Information und die Degustation. Natürlich wurde uns nicht nur erklärt, wie man einen Whisky richtig degustiert, wir bekamen auch eine kurze erklärung zu der Sammlung selbst, die ehrlich Beeindruckend war.

Den Abschluss machte unser Führer mit folgender Aussage: Falls uns jemand auslacht, weil wir unseren Whisky 'on the rock' trinken. Dann sollen wir ihn als Whisky-Snob belächeln. Denn: "A true Scot drinks his bloody whisky however he bloody wants!"
 
Oh und natürlich gingen wir danach die Treppe runter in das Restaurant. Das Essen da war wirklich vorzüglich. Leider wurden wir am letzten Tag dann dermassen zugeregnet, dass wir nur noch eine kleine Shopping-Tour machten und ansonsten die kuschlige Sicherheit unseres Hotelzimmers nicht mehr verliessen.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 7 - Unerwartete Freude

Alle Einheimischen redeten vom Stirling Castle und wie wundervoll ein Besuch dort sei. Zwar hatten wir vorgehabt, am nächsten Morgen direkt nach Edinburgh zu fahren, doch nach dem vierten oder fünften Mal, entschlossen wir, diesem Tipp doch noch nachzugehen.



Unser Gepäck stellten wir im Bahnhof ein und dann ging es zu Fuss zum Castle. Ein schöner Spaziergang durch ein wunderbares Städtchen. Stirling ist einfach... niedlich. Auf dem Weg zum Castel nahmen wir einen Umweg durch einen alten Friedhof der mehr oder weniger zu einem Spazier-Park umfunktioniert worden war.

Beim Eingang waren wir drauf und dran, wieder umzukehren. Die Eintrittspreise stellten selbst Schweizer Attraktionen in den Schatten. Allerdings hatten uns alle dermassen von dem Schloss vorgeschwärmt, dass wir uns einen Ruck gaben und uns ein Ticket kauften.

Die Leute sollten Recht behalten. Es ist nicht nur ein altes Castle, das man besichtigen kann. Über den ganzen Bau sind einzelne Ausstellungen verteilt. Über das Leben, die Mode, die Musik, die Kunst von damals. Überall erfährt man etwas über die Geschichte, oder man kann sich gemütlich in den Schlossgarten setzen. Oder den originalgetreu neu aufgebauten Seitentrackt bewundern. Mit pompösen Schlafgemächern... die eigentlich gar nicht zum Schlafen waren, sondern um Besuch zu Empfangen, geschlafen hatten die Herrscher irgendwo in nem kleinen Nebenraum... muss man wohl nicht verstehen.

Mein Favorit war natürlich eine (viel zu kleine) Ausstellung, die sich mit der Mode von damals befasste. Leider war dieser Teil für Kinder ausgelegt. Mit hübschen Theaterfetzen um ein süsses Foto zu machen. Für die Erwachsenen gab es lediglich einen Schaukasten mit Kostüm und Info zu begutachten.
Danach schlenderten wir noch ein wenig durch Stirling, kauften Süsses und setzten uns in den Zug nach Edinburgh. Dort ging es, gleich nach dem einchecken, weiter. Schliesslich waren wir hier in den UK, da gibt es den 'Forbidden Planet'! HOSSA!
Und all-you-can-eat Chinesisch zum Abendessen. So lässt es sich leben.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 6 - Taxifahrt of Doom

Um von Balloch nach Stirling zu gelangen, nahmen wir den Zug. Auch hier wurde unsere Planung von der Unfähigkeit unseres Reisebüros ein wenig über den Haufen geworfen. Das neue Hotel war in einem abgelegenen Vorort. Schick war es... keine Frage, aber total ab vom Schuss.

Stirling selber hatte ich eher als Zwischenhalt geplant. Es stellte sich aber heraus, dass mir Stirling von all den Städtchen am besten gefiel. Als pflichtbewusster Tourist wollte ich primär das 'Wallace Monument' besuchen gehen. Jeder kennt 'Braveheart'. Wer aber auch nur schon die Broschüre des Monuments liest, muss feststellen, dass der Film frei erfunden ist, und mit der realen Figur William Wallace gerade mal den Namen gemein hat.

Ein Herr in einem Set Beginner-Larper-Klamotten präsentierte uns eine Zusammenfassung von Wallaces' Krieg. Im gegensatz zu seiner Gewandung war seine Darbietung aber erstklassig. Er wusste, wie man ein Publikum für sich gewinnt und eine gute Geschichte erzählt. Und natürlich hatte er diesen Akzent. Hach, der Akzent...

Mit einer mentalen Schimpftirade gegen das Reisebüro, schnappten wir uns also am Abend ein Taxi, um zum Hotel zu kommen. Das war ein Abenteuer! Der Taxifahrer war ein altes, fröhliches Kerlchen. Sobald wir im Taxi sassen begann er in herrlichem Schottisch-Englisch zu reden, und er hörte nicht auf, bis wir beim Hotel angekommen waren. Zu allem und jedem kannte er eine kleine Geschichte. Auch in der Schweiz war er schon! Und er war schwer beeindruckt von unseren Berg-Busfahrern. Dabei gestikulierte er so wild, dass er einen fröhlichen Slalom fuhr. Aber das schien den rest des Verkehrs nicht zu stören.



Dienstag, 12. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 5 - Böse Fische

Das House of Cameron liegt direkt am Loch Lomond. Wunderschöne Aussicht, riesige Zimmer, so richtig geile Duschen und das Personal ist ebenfalls erste Klasse. Der Wellness und Spa-Bereich… herrlisch :D Leider ist der Spa-Bereich nur mit einer Fahrt mit dem Hotelbus zu erreichen. Der Bus fuhr ausserdem nicht regelmässig und so endeten wir nach einer entspannenden Massage eine gute halbe Stunde im kalten Abendwind vor dem Golfclub, bis wir schliesslich stink-frech in den Club rein sind und verlangten, sie sollen das Hotel für uns kontaktieren.

Aber man soll nicht vorgreifen. Fangen wir beim Morgen an. Wir deckten uns mit Flyern ein und entschieden uns für ein Freizeit-Center bei Balloch. Eine Einkaufsmeile, ein Indoor-Spielplatz und ein kleines Sealife. Ausserdem eine grosse aussenanlage mit Wassersport Angebot. Wir spazierten also los, durch die Parkanlagen des Hotels richtung Balloch. Zuerst sah es aus wie ein offizieller Weg für Hotelbesucher. Je weiter wir uns vom Hotel entfernten, desto grösser wurden allerdings die Schlaglöcher. Irgendwann, war der Weg dann so verwarlost, dass wir uns fragten, ob man da überhaupt noch durch gehen durfte... Nun, es war ganz sicher kein offizieller Weg für die Hotelgäste. Andererseits sahen die meisten Gäste da aber auch so etepetete aus, dass sie vermutlich noch nie weiter als bis zu ihrem Mustang gelaufen sind.

Balloch ist ein hübsches, verschlafenes Städtchen, direkt an der Mündung des Loch Lomond. Gut, ich bezeichne alle Städtchen der UK als niedlich und verschlafen und hübsch. Aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich ihre Bauweise mag, mit den kleinen Vorgärten und all den Blumen. Es hat einfach Charme. Da aktuell noch keine Saison war, war das Freizeit und Shopping Center erstaunlich leer. Das Sealife teilten wir uns mit ein paar wenigen Schulklassen und hatten damit gemütlich Zeit alles in ruhe anzusehen. Leider waren die Otter gerade am schlafen. Kein einziges der Flauschi-Tierchen zeigte auch nur seine Nase.

Phipps hat ausserdem den Fischen den Krieg erklärt. Er hatte es nicht geschaft, sie vernünftig zu Fotografieren. Laut seiner Aussage, konnten die verdammten Scheissviecher einfach nicht stillhalten :D Trotzdem schafften wir einen Schnappschuss vom Drama-Octopus. Bitte reisst mir den Kopf nicht ab, wenn es kein Octopus ist. Ich kenne mich bei Meeresgetier nicht sonderlich gut aus:


Montag, 11. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 4 - Jumping the Line

Wir wollten Inverness zusammen mit hunderten Festival-Leichen verlassen. Am Abend zuvor war das Rock Ness zu Ende gegangen und wir fanden uns zwischen dutzenden von Jugendlichen wieder, die auf dem Busbahnhof müde über ihren Taschen hingen.

Wir planten etwas mehr Zeit ein, um einen guten Sitzplatz zu ergattern und stellten uns eine halbe Stunde vorher an die Haltestelle. Kurz darauf stellte sich eine ältere Dame hinter uns. Interessant fand ich die Tatsache, dass die Festivalleichen allesamt sehr höflich und gesittet waren. Zumindest im Vergleich zu den Idioten, die in der Schweiz herumlungern. Leider konnte man das gleiche nicht von der alten Schickse hinter uns behaupten.

Als der Bus ankam, erhoben sich die Leichen und stolperten darauf zu. Ein junges Mädchen wollte gerade einsteigen (ja ich gebe zu, sie hat sich nicht angestellt, aber was solls?) da stürtzte sich die alte Tussi von hinter uns nach vorne, schubbste uns aus dem weg und begann den Busfahrer anzukeifen: "THIS YOUNG GIRL JUST JUMPED THE LINE!!!!!" Well, Bitch... so did you!

Aber wir wollen ja mal nicht so sein. Immerhin gab es ein kleines Schauspiel, als die Tussi sich, mit erstaunlicher agilität zwischen mir, der Bustür und meinerTasche hoch in den Bus schlängelte und dem Busfahrer ihr Ticket buchstäblich ins Gesicht drückte. Während der ganzen Aktion hatte sie nie aufgehört, sich über die heutige Jugend zu beschweren.

Trotz diesem etwas unschönen Start, liess der Busfahrer sich nicht aus der ruhebringen. Er war ein fröhlicher Kerl. Seine Durchsage hatte er sogar auf die Veranstaltung angepasst. Alkohol ist in den Bussen nicht erlaubt. Auf seine Frage hin, ob irgendwer alkoholische Getränke dabei hätte, kam ein einstimmiges 'Oh Gott... NEIN!" von den Festivalleichen. Grinsend fügte der Fahrer jedoch noch an, dass er per Knopfdruck, jeden aus dem Bus katapultieren könne, der in seinem Bus alkohol konsumiere. Ach... ich mag Schotten.

In Glasgow begann eine neue Oddyssey. Citylink jagte uns zur lokalen Busgesellschaft und die lokale Busgesellschaft schickte uns zurück. Später fanden wir dann heraus, dass es daran lag, dass wir nach der falschen Busstation fragten. Aus einem unerfindlichen Grund hatte ich mir 'Dunbartonshire' notiert. Was nicht die Ortschaft, sondern die Landschaft ist. Eigentlich hätten wir nur nach Balloch Station fragen sollen. TJA. Aber schlussendlich haben wirs doch noch gefunden.
Und ich darf anmerken, die Odyssey hat sich gelohnt. The House of Cameron ist Luxus pur.



Sonntag, 10. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 3 - Nessy und zu gutes Essen

Das Frühstück war wunderbar. Vollgestopft zogen wir dann los um Nessi zu suchen. Wir nahmen den Bus bis zur Loch Ness Exibition. Die Ausstellung würdigten wir keines Blickes. Wir wanderten gemütlich von Drumnadrochit hinunter zum Urquarth Castle.

Eine schöne Ruine. Hübsch für die Touristen zurecht gemacht. Die wichtigen Gebäude und Räume sind mit Info-Tafeln versehen, die die Geschichte des Castles erzählen. Das Gebäude hat einiges mitgemacht. Und wenn man sich so durchliest, bekommt man das Gefühl, dass die Clans in den Highlands nichts anderes getan hatten, als sich gegenseitig zu verprügeln. Die Lage des Castles ist ohne Frage traumhaft. Direkt am Loch Ness... Darum hätte ich mich auch gekloppt.

In einer der Hallen stand ein älterer Mann in einem prächtigen Kilt. Er unterhielt die Besucher mit Geschichten, die er in einem so wunderbar sexy schottischen Akzent erzählte, dass man nicht anders konnte, als ihm zuzuhören. Und seien wir ehrlich, Männer in Belted Plaids sind einfach schon... heiss. (Ich muss allerdings gestehen, dass mir der moderne Schnitt der Kilts im vergleich nicht mehr so gefällt...)

Erst als wir auf dem Rückweg waren, fiel mir ein, dass ich den Loch an sich nie eines genaueren Blickes gewürdigt hatte. Er war einfach Teil der Landschaft. Selbst wenn Nessi also seine Nase an die Luft gehalten hätte, ich hätte es vor lauter Ruinen und Geschichte nicht einmal bemerkt.

In inverness wollten wir uns ein spätes Mittagessen gönnen, bevor es nach Culloden weiterging. Als begeisterte Leserin von Diana Gabbaldons Highland Saga, musste ich einen Tripp da hin machen. Schlau wie ich war, überfrass ich mich am Mittagessen allerdings so, dass ich schweren Magens den Tripp abschrieb. Wir watschelten dann noch ein wenig durch die Strassen und betrieben Touristen-Shopping.

Das Diner, in dem wir unser verhängnissvolles Mittagessen einnahmen war total schnucklig. Und der Koch war sehr nett... zumindest glauben wir das, wir haben kein Wort von dem Verstanden was er uns -breit grinsend- erzählt hat, aber das Essen, das er uns schlussendlich auftischte war grandios. Zu finden ist das Lokal, direkt am Busbahnhof.

Samstag, 9. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 2 - Das finden wir schon...

An unserem zweiten Tag, brachen wir auf nach Inverness. Der Weg vom Castle zurück an die Busstation war wunderbar. Es war trocken, die Sonne schien und wir hatten gut geschlafen. Das Hotel ist jede empfelung wert. Leider musste ich später hören, dass das Schloss in Privatbesitz übergegangen ist und den Hotelbetrieb 2013 eigestellt hat.


In Edinburgh gingen wir Zielstrebig zur Touristen Info um abzuklären, wo und wann der nächste Bus nach Inverness fährt. Das war erst gut in drei Stunden der Fall, also gingen wir zum Bahnschalter. Die Entscheidung revidierten wir jedoch umgehend, als wir die Preise sahen. Bahnticket für zwei Personenen nach Inverness: 90 Pfund. Busticket für zwei Personen 54 Pfund.

Es gab jedoch noch ganz andere Probleme. Wir wussten THEORETISCH, wo der Busbahnhof war. Eine Strasse hoch und dann Links. Was wir jedoch nicht wussten. Dieses 'Links' bezog sich auf einen Haus-Eingang, der zu einem Treppenhaus führte, das hinunter auf einen grossen Bus-Terminal mit Terminal, Wartezonen und Parkplätzen führte... was man von oben natürlich nicht sah.

Busfahren in Schottland ist toll. Man kann die Aussicht wunderbar geniessen. Ich liebe die Highlands. Sicher, wir haben in der Schweiz auch Bergen, aber die wirken völlig... anders. Wir sahen auch Tiere. Einen Hasen, einen Fuchs und anderthalb Hirschen... hum... jaaah...

Leider mussten wir dann in Inverness feststellen, dass unser Reisebüro ein bisschen Unfähig war. Sie hatten unsere Hotelreservationen 'vergessen' und uns neue Hotels vorgeschlagen. Nicht etwa, Hotels in der Nähe, wie behauptet, nein... wir durften mal kurz quer durch ein schnuckliges Wohngebiet ans andere Ende der Stadt latschen. Weit ab von allen Sehenswürdigkeiten. Vielen Dank auch.

Andererseits, was erwartet man von einem Reisebüro, das irgendwann plötzlich meint: "OOOOOH, ja wissen sie, Ihre Sachbearbeiterin war in den letzten drei Wochen in den Ferien und wir haben vergessen ihre Buchungen auszuführen. Ihre Hotels sind bereits ausgebucht!"
Zum Trost gab es dann Haeggis für mich. Meinen ersten, richtig echten Haeggis. Omnomnomnomnom! War superlecker.

Freitag, 8. Juni 2012

Schottland 2012 Tag 1 - Like a 'pudelnasse' Princess




So ging es also los. Im Anbetracht des Wetters das uns am Morgen in der Schweiz noch entgegenlachte, entschied ich mich, meine Wasserfesten Militärschuhe doch anzuziehen (wofür ich mich später am Tag am liebsten geknutsch hätte… aber dazu später).

Der Flug verlief ohne grosse Probleme. Obwohl uns die Dame am Check-In Schalter wegscheuchte mit den Worten: „Wir maschen ier keine Scheckin!“ … ja ne is klar, du bist nur zur Deko hier. Aber der nette Check-In-Computer hat uns dann ohne zu meckern einchecken lassen. Ich habe sogar (fast) ohne Probleme die Sicherheitskontrolle durchschritten und das winzige Fliewatüt, das uns dann nach Edinburgh brachte, kam ebenfalls heil an.

Ein Bus brachte uns in die Stadt… vis-a-vis von uns sass ein äusserst freundliches, älteres Ehepaar. Leider hätte ich es lieber gehabt, sie wären etwas weniger freundlich gewesen, die beiden hatten Mundgeruch, dass mir ganz anders wurde... und sie redeten pausenlos. Aber zumindest wussten wir dann auch direkt wo wir hin mussten um den Bus nach North Middleton zu kriegen... theoretisch.

Busse in Edinburgh sind so eine Sache. Im Zentrum gibt es sicher ein duzend Haltestellen über mehrere Strassen und Kreuzungen verteilt, die in unregelmässigen Abständen mit unzähligen Ausnahmeregelungen irgendwo hin fahren... es dauerte eine ganze Weile, bis wir an der (vermutlich) richtigen Haltestelle standen. Doch der Bus kam nicht... und kam nicht... und wir wurden nervös. Andererseits hatte man uns betreffend der ÖV in Schottland vorgewarnt und so warteten wir noch etwas länger.

Das Warten zahlte sich schliesslich auch aus. Der Bus kam und setzte uns schliesslich in North Middleton ab. Als wir dort dann ausstiegen schüttete es… so richtig. Der Wegweiser zum Brothwick Castle zeigte uns eine Meile an… eine Meile ins Nirgendwo. Als wir triefend und frierend schliesslich in den Burghof einmarschierten, machte sich in mir ein episches Gefühl breit. Wenn man die geparkten Autos ignorierte (die man bei diesem Regen sowieso kam sehen konnte), fühlte man sich ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Wir schritten also durch das Tor in der Aussenmauer, auf das alte Schloss zu und ich dachte mir nur: I feel like a 'puddelnasse' Princess! (immerhin waren meine Füsse warm und trocken. Ein Hoch auf Militärstiefel).

Nach einer heissen Dusche und in trockenen Kleidern fühlte ich mich auch schon wieder wie ein Mensch… auch wenn ich das dringende Bedürfnis niederkämpfen musste, mich in Gewandung zu stürzen. Ich meine. Ich war hier in einem Schottischen Castle. Der Larper in mir, gab mir klar zu verstehen, dass Alltagskleidung in so einer Situation nicht angebracht sei!

Den Abend verbrachten wir, nach einem vorzüglichen Essen, vor dem grossen Kamin, zusammen mit zwei anderen Pärchen. Zwei Amerikaner auf einer Weltreise und zwei Schotten, die vor einem Jahr hier geheiratet hatten. Oh fühlet meinen Neid! Und als uns der Gastgeber dann noch eine Historische Führung durch das Schloss leitete, kam ich zu dem Schluss: Ich will so eins! Als Sommer Residenz! JAWOLL.
Und den Koch gleich mit dazu. So ein 24jähriges Ausnahmetalent. Schafft es alleine ein super Essen zu zaubern, laut Ehepärchen auch für 60 Personen… ALLEINE! Doch der Prinzessinnen-Traum dauerte nur einen Abend. Am nächsten Morgen ging es bereits wieder richtung Edinburgh...